Kurze Geschichte der elektronischen Musik in Köln
Elektronische Musik in Köln hat eine lange Tradition, die seit über einem halben Jahrhundert besteht. Keine andere Stadt in Deutschland hat auf dem Sektor der klanglichen Innovationen soviel geleistet wie Köln.
E-Musik und elektronische Musik.
Die Avantgarde der sogenannten Ernsten Musik hat sich schon lange gern in der Rheinmetropole aufgehalten. Es machen nicht die besonders preiswerten Immobilien Köln zur attraktiven Stadt – denn die Miete ist hier eher hoch, weswegen viele Künstler es vorziehen, nach Berlin zu ziehen – sondern die künstlerische Tradition der Innovation auf dem Sektor. Als zentrale Figur kann man Karlheinz Stockhausen betrachten, der ab 1963 das in den Fünfziger Jahren aufgebaute „Studio für elektronische Musik“ leitete, in dem Legenden der E-Musik wie Pierre Boulez, Mauricio Kagel, Pierre Henry und Pierre Schaeffer arbeiteten.
Das Elektronische in der Musik sollte aber nicht der E-Musik vorbehalten bleiben: der Einfluss der Elektronik auf die heutige Unterhaltungsmusik ist evident, aber es ist auch eine Grauzone zwischen U- und E-Musik entstanden. Eine neue Avantgarde ist entstanden, welche die Unterscheidung der ernsten und der unterhaltenden Musik obsolet erscheinen lässt. Die um das Zentrum Köln gruppierten Künstler bewegen sich irgendwo zwischen bestuhltem Konzertsaal, Wohnzimmer mit High-End-Anlage und Tanzflur.
Die neue Generation
Die neue Generation ist so neu gar nicht mehr, begann die große Stunde der elektronischen Musik doch bereits in den Siebzigern mit der Gruppe Kraftwerk. Die kommen zwar aus der lokal rivalisierenden Nachbarstadt Düsseldorf, doch bei aller Kleinstaaterei ist doch zu konstatieren, dass die Infrastrukturen der Musikszenen ineinander greifen. So sind ebenso Mouse On Mars aus Düsseldorf und haben mit dem kölner Autor und Labelbetreiber das eigene Imprint „sonig“ gegründet. Das legendärste Kölner Label ist sicherlich Kompakt, gewissermaßen ein Avantgarde-Techno-Label, das häufig dem Minimal Techno zugerechnet wird, mit dem Brasilianer Gui Boratto aber einen Vertreter eines Stils beheimatete, der alles andere als minimalistisches Understatement im Sinn hat.
Die Plattenfirma mit angeschlossenem Tonträgerfachhandel und -vertrieb produziert seit über zehn Jahren Musik mit einem trotz der vielen verschiedenen Künstler irgendwie vorhandenen Corporate Sound und ist für das konstant hohe Niveau international nicht nur anerkannt, sondern legendär. Die Räumlichkeit vieler Veröffentlichungen schreit nachgerade nach einer ebenso minimalistisch möblierten Wohnung, wie man sich das Domizil eines Architekten oder von einem Steuerberater vorstellt – jedoch funktioniert der skelettierte Sound auch auf jeder Tanzfläche mehr als ausgezeichnet – internationale DJ-Legenden schwören auf Kompakt. Dabei ist das Label grundsätzlich offen für Innovationen. Die einzige Maßgabe des Chefs Wolfgang Voigt ist: mehr als die Hälfte muss Techno sein.