Was ist und was macht eigentlich ein Ocularist?

Dass sich der Begriff „Ocularist“ wohl vom lateinischen „oculus“, welches das Auge bezeichnet, ableitet, darauf kommen wohl noch einige. Dass es eine Berufsbezeichnung ist, wissen wohl noch die wenigsten und womit man sich in diesem Beruf konkret beschäftigt, stellt dann wahrlich die Experten der Allgemeinbildung heraus.

Ocularisten fertigen Augenprothesen an, die in ihrem Aussehen nicht mehr von einem natürlichen Auge zu unterscheiden sind. Und damit tragen Ocularisten maßgeblich zur Lebensqualität von Patienten bei und schenken ihnen nicht selten ein gefühltes neues Leben.

Das Organ und seine Empfindlichkeit

So geschützt man die Augen durch Lider, Wimpern und Brauen gedenkt, so schnell kann aber auch ein Unfall passieren und das natürliche Auge beschädigen. Der natürliche Glaskörper des Auges füllt das Auge zwischen Linse und Netzhaus und besteht aus einer durchsichtigen gelartigen Substanz, die zu 98 Prozent aus Wasser und zu 2 Prozent aus Kollagenfasern und Hyaluronsäure besteht. Zum zusätzlichen Schutz ist der Augapfel in die mit fett ausgepolsterte Augenhöhle eingebettet. Dennoch reagiert das menschliche Auge sehr empfindlich auf Einflüsse von außen. Denken wir nur daran, wie weh es tut, wenn wir ein Sandkorn im Auge haben oder uns beim Fahrradfahren eine kleine Fliege ins Auge kommt.

Die Patienten

Durch das Eindringen von spitzen und kantigen Fremdkörpern wird das Auge beschädigt und wird je nach Grad der Verletzung außer Stand gesetzt und funktionsunfähig. Wenn das Auge dann nicht mehr zu retten ist, muss es entfernt werden. Für viele Patienten bedeutet dies neben den körperlichen Schmerzen und der ausbleibenden Sehkraft eine enorme psychische Belastung. Deswegen lassen sie sich von Ocularisten ein Glasauge herstellen, das zwar nicht die Funktion eines natürlichen Auges ersetzen kann, aber zumindest genauso wie ein echtes Auge aussieht. Bundesweit tragen mehr als 160.000 Menschen eine Augenprothese.

Das Berufsbild

Der Beruf des Ocularisten kann auf keiner Berufsschule oder Universität erlernt werden. Worauf es hier ankommt ist ausschließlich Erfahrung und Übung. Ein Ocularist ist meist selbststaendig und darf sich erst nach einer sechsjährigen Ausbildung als solcher bezeichnen. Theoretische Grundlagen für den Beruf bestehen in der Histologie des menschlichen Oculus und den handwerklichen Grundtechniken. Danach heißt es nur noch: Learning by doing! In Deutschland gibt es rund 60 Ocularisten, die auf 25 Firmen verteilt sind. Dies spricht für die Rarität und die erforderliche Begabung und Hingabe für diesen Beruf.

Jedes Glasauge wird von Hand gefertigt und liegt einem langen Fertigungsprozess zugrunde. Nachdem durch Abtasten der Augenhöhle die genaue Passform ermittelt wird, wird ein schalenförmiges Glaskörper geblasen, auf den danach die Farbe der Iris aufgeschmolzen wird und eingefärbte Glasfasern die dünnen Äderchen nachbilden sollen. Der Vorteil des Glases ist, dass die Oberfläche glatt ist und sich so ein natürlicher Tränenfilm auf der Oberfläche bildet. Ein langwieriger Prozess, dafür dass die durchschnittliche Lebensdauer einer Prothese nur ein Jahr beträgt. Ein Exemplar kostet rund 350 bis 700 Euro.

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